Ina Kolanowski

Ina Kolanowski: Skandalisieren als kommunikatives Handeln. Eine interdisziplinäre Untersuchung der Skandalisierung aus kultursemiotischer und textlinguistischer Sicht. Dissertation Mainz 2010

Die Arbeit untersucht die sprachlichen Handlungen von Massenmedien bei der Skandalisierung gesellschaftlicher und politischer Ereignisse nach konzeptionellen wie funktionalen Gesichtspunkten und knüpft dabei an die sozial- und kommunikationswissenschaftliche Skandalforschung an. Der hier eingeführte handlungstheoretische Ansatz zur Untersuchung der sprecherseitigen kommunikativen Handlungen im Prozess der Skandalisierung greift die Erkenntnisse der gegenwärtigen Skandalforschung unter Berücksichtigung ihrer Leistungen und Grenzen auf und dient dem genaueren Verständnis der Kommunikationsstrategien der Medien bei der Skandalisierung.

Gleichzeitig geht die Arbeit der Frage nach der unterschiedlichen Struktur verschiedener Skandale nach. Dazu wird bei der empirischen Untersuchung von Fallbeispielen der funktionale Zusammenhang von ereignis- und kommunikationsspezifischen Aspekten der Skandalisierung genauer betrachtet. Grundlegend für das methodische Vorgehen der Analyse ist ein sprachwissenschaftlicher Ansatz, der durch eine kultursemiotische Betrachtung ereignisspezifischer Vorgaben der Skandalisierung ergänzt wird. Das daraus entwickelte Zwei-Ebenen-Modell ermöglicht es, skandaltypische Kommuni-kationsschemata zu identifizieren und gleichzeitig fallspezifische Besonderheiten in der kommunikativen Umsetzung zu erkennen und einzuordnen.

Das Analyseverfahren wird exemplarisch an zwei Skandalbeispielen, dem Friedman-Skandal 2003 und dem BND-Spitzelskandal 2006, überprüft. Die Datenbasis dafür ergibt sich aus der jeweiligen Vollerhebung der Printberichterstattung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung.