Bilder als Kommunikationsinstrumente

THEMENSCHWERPUNKT DES STUDIUM GENERALE
STRATEGIEN DER KOMMUNIKATION
ARGUMENTATION, LOGIK, RHETORIK

Prof. Dr. Karl N. Renner

Bilder als Kommunikationsinstrumente
Kommunikatives Handeln mit visuellen Medien

Montag, 16. November 2009, 18.15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Geht es in den Medien darum, aktuelle wirtschaftliche Fehlentwicklungen zu kritisieren, dann ist mit schöner Regelmäßigkeit das Bild von Josef Ackermann zu sehen, auf dem er seine Finger zum Victory-Zeichen spreizt. Die Frage, wie ein Pressefoto, das vor einem Gerichtssaal aufgenommen wurde, zu einer derartigen Ikone werden konnte, macht nicht nur auf die Rolle aufmerksam, die die Medien für die Bildung der öffentlichen Meinung spielen. Um sie zu beantworten, ist es auch erforderlich, sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, Bilder als 'Werkzeuge' für kommunikative Handlungen zu verwenden. Denn ähnlich wie sprachliche Äußerungen lassen sich auch Bilder für kommunikative Zwecke benutzen, obwohl sie in vielem ganz anders funktionieren. Als ikonische Zeichen besitzen sie andere Ausdrucksmöglichkeiten und -grenzen als sprachliche Zeichen. Auch müssen sie – anders als Sprache – immer mit Hilfe artifizieller Medien erzeugt werden, wodurch sie sich jederzeit aus dem Kontext ihres unmittelbaren Entstehungszusammenhangs herauslösen und neu re-interpretieren lassen. Aufgrund dieser zeichen- und kommunikationstheoretischen Eigenheiten verwundert es nicht, dass die fotografischen Bilder der visuellen und audio-visuellen Medien als perfekte Wirklichkeitsbeweise gelten und in einem paradoxen Gegensatz dazu zugleich auch immer unter Manipulationsverdacht stehen.

Karl N. Renner (geb. 1949), Studium der Deutschen Literaturwissenschaft, Filmphilologie, Linguistik und Wissenschaftstheorie in München. Promotion über die Bedeutung narrativer Strukturen für Literaturverfilmungen (1981 München). Wissenschaftlicher Mitarbeiter der DFG-Forschergruppe ″Sozialgeschichte der deutschen Literatur″ (München 1980–1985). Freier Fernsehjournalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk (Wissenschaftsjournalismus, historische und kulturpolitische Dokumentationen). Seit 1995 Professor für Fernsehjournalismus im Journalistischen Seminar der Universität Mainz. Leitung von Campus TV Mainz, Mitglied des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz. Aktuelle Publikationen: Fernsehjournalismus. Entwurf einer Theorie des kommunikativen Handelns. Konstanz (2007).